9 Februar 2026

Wie man Überdosierungen mit Pflastern, Flüssigkeiten und langwirkenden Medikamenten verhindert

Wie man Überdosierungen mit Pflastern, Flüssigkeiten und langwirkenden Medikamenten verhindert

Überdosierungen durch Medikamente sind keine seltenen Ereignisse. Besonders gefährlich sind Pflaster, Flüssigkeiten und langwirkende Medikamente, weil ihre Wirkung nicht sofort sichtbar ist und die Grenze zwischen Therapie und Überdosis sehr dünn sein kann. Viele Menschen wissen nicht, wie leicht es ist, eine tödliche Dosis zu nehmen - besonders wenn sie die Medikamente nicht richtig verwenden. Und doch lässt sich eine Überdosierung oft verhindern, wenn man die Risiken kennt und einfache, klare Regeln befolgt.

Warum Pflaster besonders gefährlich sein können

Transdermale Pflaster, wie zum Beispiel Fentanyl-Pflaster, liefern Medikamente langsam durch die Haut. Klingt sicher, oder? Aber genau hier liegt das Problem: Viele Menschen glauben, sie könnten die Wirkung beschleunigen, indem sie das Pflaster falten, schneiden, erwärmen oder mehrere gleichzeitig tragen. Das ist tödlich.

Ein Fentanyl-Pflaster, das für 72 Stunden ausgelegt ist, gibt über diesen Zeitraum eine sichere Dosis ab. Wenn du es aber aufwärmen - etwa mit einer Heizdecke oder im Warmwasser -, steigt die Aufnahme der Substanz um das Drei- bis Vierfache. In weniger als einer Stunde kann das eine Überdosis auslösen. Das Gleiche gilt, wenn du das Pflaster aufschneidest oder die Klebefläche abkratzt, um das Medikament zu extrahieren. Dann wird die gesamte Dosis auf einmal freigesetzt. Kein Wunder, dass viele Überdosierungen mit Pflastern auf diese Weise passieren.

Was du tun solltest:

  • Trage immer nur ein Pflaster zur gleichen Zeit - und nur so viele, wie dein Arzt verschrieben hat.
  • Verwende niemals Wärmequellen wie Heizkissen, Saunen oder Sonnenbaden, während das Pflaster auf deiner Haut ist.
  • Entferne das Pflaster vorsichtig und falte es so, dass die klebende Seite nach innen zeigt, bevor du es wegwirfst. So verhindern Kinder oder Haustiere, dass sie es finden und berühren.
  • Wenn das Pflaster abfällt, bevor die Zeit um ist, kontaktiere deinen Arzt. Ersatzpflaster nicht einfach selbst aufkleben.

Flüssige Medikamente: Die Gefahr der falschen Dosis

Flüssige Medikamente - ob Opioid-Sirup, Morphium-Lösung oder andere verschreibungspflichtige Flüssigkeiten - sind besonders schwer zu dosieren. Warum? Weil sie oft in unterschiedlichen Konzentrationen erhältlich sind. Ein Sirup mit 10 mg/ml ist nicht dasselbe wie einer mit 5 mg/ml. Und viele Menschen verwenden Küchenlöffel, Tassen oder sogar Augentropfer, um die Dosis abzumessen. Das ist wie Roulette mit deinem Leben.

Ein Fall aus der Praxis: Eine Patientin nahm täglich 15 ml eines Opioid-Sirups, weil sie dachte, das sei die richtige Menge. In Wirklichkeit war die Flasche mit einer doppelt so starken Lösung gefüllt. Sie überdosiert, kam ins Krankenhaus und überlebte nur, weil ihre Tochter Naloxon bei sich hatte.

Was du tun solltest:

  • Verwende immer das mitgelieferte Messgerät - ein Spritzen- oder Becher-Messlöffel. Niemals einen normalen Löffel.
  • Prüfe immer die Konzentration auf der Flasche: „10 mg/ml“ oder „50 mg/5 ml“ - und vergleiche sie mit der Verschreibung.
  • Stelle die Flasche nicht neben andere Flüssigkeiten, die ähnlich aussehen - etwa Hustensirup oder Vitaminsirup. Verwechslungen passieren oft.
  • Wenn du unsicher bist, ruf deine Apotheke an. Frag: „Ist das die gleiche Konzentration wie letztes Mal?“

Langwirkende Medikamente: Die Tücke der Zeit

Langwirkende Tabletten wie OxyContin, Methadon oder Oxymorphone sind so konstruiert, dass sie über 12 bis 24 Stunden langsam wirken. Das ist gut für Schmerzpatienten - aber ein Albtraum, wenn jemand sie zerbricht, kaut oder sie mit Alkohol mischt.

Wenn du eine langwirkende Tablette zermahlst oder kaut, gibst du die gesamte Dosis auf einmal ab. Das ist so, als ob du eine ganze Flasche Schmerztabletten auf einmal schlucken würdest. In vielen Fällen ist das sofort tödlich. Und wenn du sie mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln mischst, verstärkt sich die Wirkung noch - weil beide Substanzen das Atemzentrum im Gehirn dämpfen.

Was du tun solltest:

  • Schlucke die Tablette immer ganz - niemals zerkauen, zermalmen oder in Wasser auflösen.
  • Vermeide Alkohol, Benzodiazepine (wie Valium oder Xanax) und Schlafmittel, wenn du langwirkende Opioiden nimmst.
  • Halte den Zeitplan ein: Wenn du die Tablette alle 12 Stunden nehmen sollst, dann nicht früher, auch wenn du Schmerzen hast. Dein Körper braucht Zeit, um das Medikament abzubauen.
  • Wenn du deine Medikamente nicht mehr brauchst - etwa weil du weniger Schmerzen hast -, bringe sie zur Apotheke zurück. Nicht in die Toilette werfen oder im Haus liegen lassen.
Eine Person nimmt eine flüssige Medikamentendosis mit einem Küchenlöffel, während eine Flasche mit ähnlicher Flüssigkeit danebensteht.

Naloxon: Dein Lebensretter, auch wenn du Medikamente nimmst

Naloxon ist kein „Drogenentzugsmittel“. Es ist ein Medikament, das Opioiden die Wirkung nimmt - innerhalb von Minuten. Es rettet Leben. Und es sollte jeder haben, der selbst Opioid-Medikamente nimmt, oder jemanden kennt, der das tut.

Die meisten Naloxon-Präparate kommen als Nasenspray (z. B. Narcan) oder als Injektion. Beide sind einfach zu bedienen. Du musst keine medizinische Ausbildung haben. Wenn jemand nicht mehr atmet, bewusstlos ist und blau um die Lippen ist - gib Naloxon. Danach ruf sofort den Rettungsdienst.

Wichtig: Naloxon wirkt nur 30 bis 90 Minuten. Langwirkende Medikamente, wie etwa Fentanyl-Pflaster oder Methadon-Tabletten, wirken viel länger. Das bedeutet: Nachdem Naloxon wirkt, kann der Körper wieder mit dem Medikament überflutet werden. Das nennt man „Renarcotisierung“. Der Patient kann erneut überdosieren - sogar nachdem er „wieder bei Bewusstsein“ war.

Deshalb: Immer den Rettungsdienst rufen - selbst wenn die Person nach Naloxon wieder atmet. Bleib bei der Person, bis Hilfe kommt. Überwache ihre Atmung. Gib gegebenenfalls ein zweites Naloxon, wenn du es hast und die Person wieder bewusstlos wird.

Was du sonst noch tun kannst

Es gibt noch mehr, was du tun kannst - nicht nur für dich, sondern auch für andere:

  • Nicht allein konsumieren: Wenn du Medikamente nimmst, sag jemandem, wo du bist. Wenn du nicht antwortest, soll diese Person den Notruf wählen.
  • Medikamente sicher aufbewahren: Halte sie außer Reichweite von Kindern, Haustieren und anderen Menschen. Ein verschriebenes Pflaster kann für ein Kind tödlich sein.
  • Keine Mischungen: Opioid-Medikamente mit Alkohol, Schlafmitteln oder Beruhigungsmitteln zu kombinieren, erhöht das Risiko einer Überdosierung dramatisch. Es ist kein „Kick“, es ist Selbstmord.
  • Wissen teilen: Zeig deiner Familie, wo das Naloxon liegt. Zeig ihnen, wie man es benutzt. Ein einfaches Video auf dem Handy reicht.
Eine Person sprüht Naloxon in die Nase eines bewusstlosen Menschen, während Fentanyl-Pflaster und -Tabletten als Geister über ihnen schweben.

Was du nicht tun solltest

  • Keine Medikamente teilen - selbst wenn jemand „nur mal ausprobieren“ will.
  • Keine verschriebenen Medikamente anpassen - „mehr nehmen, damit es schneller wirkt“ ist eine tödliche Falle.
  • Keine Medikamente aus dem Ausland oder aus dem Internet kaufen - sie enthalten oft Fentanyl, das du nicht erkennst.
  • Keine Medikamente mit anderen Drogen mischen - auch nicht mit Cannabis oder Nikotin, wenn du unsicher bist.

Was passiert, wenn du Hilfe brauchst?

In Deutschland gibt es das 911-Prinzip - aber auch eine gute Nachricht: Wer einen Notfall meldet, weil jemand überdosiert, wird nicht strafrechtlich belangt. Das gilt auch, wenn die betroffene Person illegale Drogen genommen hat. Das Gesetz schützt dich, wenn du handelst. Rufe also immer den Notruf, wenn du unsicher bist. Besser, du rufst zu oft, als zu spät.

Wenn du selbst eine Abhängigkeit hast: Es gibt Hilfe. Medikamentengestützte Behandlungen wie Methadon oder Buprenorphin können das Risiko einer Überdosierung um mehr als die Hälfte senken. Sprich mit deinem Arzt. Du bist nicht allein.

Kann ich Naloxon ohne Rezept bekommen?

Ja, in Deutschland kannst du Naloxon-Nasenspray in vielen Apotheken ohne Rezept kaufen. Du musst dich nur erkundigen. Viele Apotheken bieten es kostenlos oder zu geringen Kosten an, besonders für Menschen, die Opioid-Medikamente einnehmen. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten auch, wenn du eine entsprechende Verschreibung hast.

Was mache ich, wenn ich ein Pflaster verliere?

Wenn das Pflaster abfällt, bevor die Zeit um ist, kontaktiere sofort deinen Arzt oder Apotheker. Ersetze es nicht selbst. Ein verlorenes Pflaster könnte bedeuten, dass dein Körper nicht mehr die gewohnte Dosis erhält - was zu Entzugserscheinungen führen kann. Aber auch ein neues Pflaster aufzukleben, ohne Rücksprache, kann zu einer Überdosierung führen, wenn die Dosis nicht angepasst wurde.

Warum ist Fentanyl in manchen Medikamenten so gefährlich?

Fentanyl ist bis zu 100-mal stärker als Morphin. Selbst eine winzige Menge - weniger als ein Korn Zucker - kann tödlich sein. In verschreibungspflichtigen Pflastern ist die Dosis genau berechnet. Aber wenn jemand das Pflaster verändert, oder wenn Fentanyl versehentlich in andere Medikamente gemischt wird (was bei illegalen Drogen oft passiert), ist die Gefahr enorm. Deshalb: Vertraue nie einem Medikament, das nicht von deinem Arzt oder Apotheker kommt.

Kann man eine Überdosierung mit langwirkenden Medikamenten erkennen?

Ja. Typische Anzeichen sind: sehr langsame oder flache Atmung, Unfähigkeit, aufzuwachen, blasse oder blau verfärbte Haut, besonders um die Lippen, und ein tiefes, ungewöhnliches Schnarchen. Manchmal ist die Person auch sehr schlaff. Wenn du das siehst - gib Naloxon und rufe den Notruf. Warte nicht, bis es schlimmer wird.

Was ist mit Menschen, die keine Schmerzen haben, aber Medikamente nehmen?

Wenn jemand Medikamente nimmt, die nicht für ihn verschrieben wurden - egal ob Pflaster, Flüssigkeit oder Tablette - ist das immer riskant. Die Dosierung ist auf die Person zugeschnitten. Wer keine Schmerzen hat, hat oft auch kein Verständnis für die Wirkung. Das führt leicht zu Überdosierungen. Auch in diesem Fall: Naloxon bereithalten, niemals allein konsumieren, und medizinische Hilfe suchen.

Geschrieben von:
Sabine Grünwald
Sabine Grünwald