14 Januar 2026

Palpitationen und schneller Herzschlag durch Medikamente: Diagnose und Behandlung

Palpitationen und schneller Herzschlag durch Medikamente: Diagnose und Behandlung

Medikamenten-Risikorechner für Herzrhythmusstörungen

Wie funktioniert der Risikorechner?

Dieser Rechner bewertet Ihr individuelles Risiko für Herzrhythmusstörungen durch Medikamente basierend auf den Informationen aus dem Artikel. Geben Sie Ihre Medikamente und persönlichen Daten ein, um zu erfahren, ob Sie ein erhöhtes Risiko haben.

Medikamente auswählen

Markieren Sie alle Medikamente, die Sie derzeit einnehmen (auch rezeptfrei):

(Risikopunkte: 1)
(Risikopunkte: 2)
(Risikopunkte: 1,5)
(Risikopunkte: 1)
(Risikopunkte: 1,5)
(Risikopunkte: 2)
(Risikopunkte: 1,5)
(Risikopunkte: 1)
(Risikopunkte: 2)

Persönliche Daten

Ihr Risiko

0 Punkte
Niedriges Risiko

Empfehlung:

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, um die Medikamente zu überprüfen und ggf. Alternativen zu finden.

Wenn Sie plötzlich spüren, wie Ihr Herz rast, als würde es aus der Brust springen, und das ohne körperliche Anstrengung oder Angst - dann könnte ein Medikament die Ursache sein. Palpitationen und schneller Herzschlag sind keine seltenen Nebenwirkungen. Tatsächlich sind sie bei mehr als jedem zehnten Patienten mit neu auftretenden Herzrhythmusstörungen auf Medikamente zurückzuführen. Viele Menschen denken, dass solche Symptome nur bei Herzkrankheiten auftreten. Doch die Wahrheit ist: Medikamente, die Sie täglich einnehmen, können Ihre Herzfrequenz verändern - oft ohne dass Sie es merken, bis es zu spät ist.

Welche Medikamente können Ihren Herzschlag beschleunigen?

Nicht nur Herzmedikamente, sondern auch Alltagsdrogen wie Asthmamittel, Antibiotika oder Erkältungstabletten können Ihr Herz durcheinanderbringen. Die Liste ist länger, als die meisten denken.

Asthma-Inhalatoren mit Wirkstoffen wie Salbutamol (Albuterol) sind ein häufiger Auslöser. Bei 40 bis 50 % der Nutzer steigt die Herzfrequenz innerhalb von 15 bis 30 Minuten um 15 bis 25 Schläge pro Minute. Das ist kein Fehler - das ist eine beabsichtigte Wirkung. Diese Medikamente wirken auf die Lunge, aber sie wirken auch auf das Herz. Langzeitwirkende Inhalatoren wie Salmeterol halten diesen Effekt bis zu 12 Stunden an.

Antibiotika sind ein weiterer großer Verursacher. Azithromycin (Zithromax) verlängert das QT-Intervall im EKG um durchschnittlich 30 bis 50 Millisekunden. Das erhöht das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen um mehr als das Zweifache. Fluoroquinolone wie Levofloxacin oder Ciprofloxacin haben ähnliche Effekte, wenn auch etwas schwächer. Besonders riskant ist es, wenn Sie bereits ein schwaches Herz haben oder andere Medikamente einnehmen, die das QT-Intervall verlängern.

Erkältungsmittel mit Pseudoephedrin (z. B. Sudafed) sind oft unterschätzt. Eine Standarddosis von 60 mg kann die Herzfrequenz um 10 bis 20 Schläge pro Minute erhöhen. Phenylephrin ist etwas sanfter, aber auch nicht ungefährlich. Viele nehmen diese Tabletten ohne zu wissen, dass sie das Herz belasten.

Thyroxin (Synthroid) ist ein weiterer Kandidat. Bei einer Dosis über 1,6 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht oder wenn der TSH-Wert unter 0,1 mIU/L fällt, klagen 8 bis 12 % der Patienten über Herzrasen. Viele denken, das sei „nur“ Angst. Aber es ist eine echte hormonelle Überstimulation des Herzens.

Psychopharmaka wie Amitriptylin (ein trizyklisches Antidepressivum) verlängern das QT-Intervall um 40 bis 60 Millisekunden. Selbst SSRI wie Citalopram können das Risiko erhöhen - besonders bei Dosen über 40 mg pro Tag. Und selbst neue Medikamente wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy), das zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird, erhöhen die Herzfrequenz um 3 bis 5 Schläge pro Minute. Das klingt harmlos - aber bei jemandem mit bereits geschwächtem Herzen kann das ausreichen, um eine gefährliche Rhythmusstörung auszulösen.

Wie wird das diagnostiziert?

Ein Arzt, der nur auf Ihre Beschwerden hört, könnte die Ursache übersehen. Die Diagnose beginnt mit einer genauen Medikamentenliste. Nicht nur Rezeptmedikamente - sondern auch Nahrungsergänzungsmittel, Kräuterpräparate und rezeptfreie Tabletten. 70 % der medikamentenbedingten Herzrhythmusstörungen treten innerhalb von 72 Stunden nach einer neuen Dosis oder einem neuen Medikament auf.

Das EKG ist das wichtigste Werkzeug. Es misst das QT-Intervall - die Zeit, die das Herz braucht, um sich zwischen zwei Schlägen zu regenerieren. Normal ist unter 450 ms bei Männern und unter 460 ms bei Frauen. Wenn es über 500 ms steigt, oder wenn es sich um mehr als 60 ms gegenüber Ihrem früheren Wert verlängert, liegt ein hohes Risiko vor. Das ist kein „vielleicht“ - das ist ein Alarm.

Wenn das Ruhe-EKG normal ist, aber Sie weiterhin Herzrasen haben, brauchen Sie einen Langzeit-ECG (Holter-Monitoring). In 35 bis 45 % der Fälle wird erst hier eine intermittierende Rhythmusstörung sichtbar. Außerdem werden Blutwerte kontrolliert: Kalium, Magnesium, Schilddrüsenhormone (TSH). Ein Kaliumwert unter 3,5 mmol/L oder Magnesium unter 1,7 mg/dL macht Ihr Herz besonders anfällig für Arrhythmien - selbst wenn das Medikament selbst nicht sehr riskant ist.

Ein neues Risikoscore-Tool, das von Brigham and Women’s Hospital entwickelt wurde, bewertet Ihre persönliche Gefahr anhand von 12 Faktoren: Alter über 65 (+2 Punkte), weiblich (+1 Punkt), gleichzeitige Einnahme von zwei oder mehr QT-verlängernden Medikamenten (+3 Punkte pro zusätzliches Medikament). Ein Score über 5 bedeutet: Hochrisiko. Sofortige Maßnahmen nötig.

Arzt zeigt EKG mit verlängertem QT-Intervall, Patient hält Medikamentenliste, Warnlicht leuchtet.

Was tun, wenn es passiert?

Die Antwort hängt davon ab, wie schwer es ist.

Bei leichten Beschwerden - nur ein leichtes Herzklopfen, kein Schwindel, kein Atemnot, QT-Intervall unter 500 ms - wird oft nicht sofort abgesetzt. Stattdessen wird überwacht: wöchentliches EKG, Kontrolle der Elektrolyte, Reduzierung von Koffein und Alkohol. Manchmal reicht es schon, die Dosis des Medikaments zu senken. Studien zeigen: In 60 bis 70 % der Fälle verschwinden die Symptome innerhalb von 72 Stunden nach einer Dosisanpassung.

Wenn das QT-Intervall über 500 ms liegt, wenn Sie Schwindel, Ohnmachtsgefühle oder Atemnot haben - dann wird das Medikament abgesetzt. Das ist Standard in 95 % der Kliniken. Kein Risiko, kein „wir warten mal ab“. Das Risiko für Torsades de Pointes - eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung - liegt bei 10 bis 20 %, wenn sie nicht behandelt wird.

Was ist, wenn Sie das Medikament brauchen? Zum Beispiel ein Antibiotikum bei einer schweren Infektion? Dann wird ein Alternativmedikament gewählt. Amoxicillin hat ein Herzrisiko von nur 0,8 % - Azithromycin liegt bei 2,9 %. Bei Schilddrüsenmedikamenten wird die Dosis langsam angepasst, bis der TSH-Wert zwischen 0,5 und 2,0 mIU/L liegt. Dann sinkt das Risiko für Palpitationen von 12 % auf 4,3 %.

Bei Krebspatienten, die Medikamente wie Trastuzumab brauchen, die das Herz belasten, wird oft Metoprolol (ein Beta-Blocker) prophylaktisch gegeben. Studien zeigen: Das reduziert das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 45 % - ohne die Wirksamkeit der Krebstherapie zu beeinträchtigen.

Wie kann man das verhindern?

Die beste Behandlung ist die Vermeidung. Und das beginnt schon vor der Verschreibung.

Die American Heart Association empfiehlt seit 2024: Bevor Sie ein Medikament mit bekanntem Herzrisiko bekommen, muss ein EKG gemacht werden. Und zwar innerhalb von 30 Tagen vor Beginn. Gleichzeitig werden Kalium und Magnesium kontrolliert. Und Sie bekommen eine Aufklärung: „Was sind die Warnzeichen? Wann müssen Sie sofort zum Arzt?“

Elektronische Gesundheitsakten (wie Epic) warnen jetzt automatisch, wenn ein Arzt ein Medikament verschreibt, das das QT-Intervall verlängert - und Sie bereits ein anderes solches Medikament einnehmen. In 67 % der US-Kliniken wird so jede Woche eine gefährliche Verschreibung verhindert - das sind etwa 8.500 Fälle pro Monat.

Ärzte warnen vor fünf „Nie-Ereignissen“: Zwei QT-verlängernde Medikamente gleichzeitig? Risiko steigt um das 5,7-Fache. Hohe Dosis Ondansetron (für Übelkeit) bei bereits verlängertem QT-Intervall? Lebendig gefährlich. Fluoroquinolone bei Herzinsuffizienz? Todesrisiko steigt um 18 %. Citalopram über 40 mg bei älteren Menschen? Verboten. Und Thyroxin ohne EKG bei bekannter Herzerkrankung? Das ist fahrlässig.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet. Über 75-Jährige haben ein 3,2-fach höheres Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen durch Medikamente als jüngere Menschen - selbst bei gleicher Dosis. Das ist kein „alter Schwachsinn“. Das ist Datenlage.

Zwei Szenen: Frau mit kalter Tablette und rasendem Herz vs. mit sicheren Medikamenten und ruhigem Herz.

Was können Sie selbst tun?

Sie sind nicht machtlos. Hier sind drei konkrete Schritte:

  1. Halten Sie eine Medikamentenliste - alle, ohne Ausnahme. Schreiben Sie Dosis, Zeitpunkt und wann Sie angefangen haben. Zeigen Sie sie Ihrem Arzt bei jedem Termin.
  2. Notieren Sie Symptome: Wann haben Sie das Herzrasen? Nach dem Einatmen? Nach der Antibiotikaeinnahme? Nach dem Aufstehen? Ein kleines Tagebuch hilft, Zusammenhänge zu erkennen - und Ihrem Arzt, die Ursache zu finden.
  3. Vermeiden Sie Selbstmedikation: Rezeptfreie Mittel gegen Erkältung, Schlafstörungen oder Verstopfung enthalten oft versteckte Wirkstoffe. Pseudoephedrin, Phenylephrin, Koffein, Ephedrin - alle können Ihr Herz belasten.

Ein Fall aus einer Patientencommunity: Eine 68-jährige Frau hatte seit Monaten Herzrasen. Sie nahm Citalopram und dachte, es sei Angst. Nach einem EKG mit verlängertem QT-Intervall wechselte sie auf Sertralin. Innerhalb von 10 Tagen war das Herzrasen weg - und ihre Depression blieb gut eingestellt.

Was kommt als Nächstes?

Die Medizin geht weiter. Forscher testen jetzt genetische Tests, um herauszufinden, wer besonders empfindlich auf bestimmte Medikamente reagiert. Wer zum Beispiel ein CYP2D6-Gen hat, das das Medikament schlecht abbaut, hat ein 3,4-fach höheres Risiko für Herzprobleme mit Beta-Blockern. Solche Tests werden bald Standard sein.

Die Europäische Gesellschaft für Herzrhythmusstörungen (EHRA) baut gerade ein Register mit 50.000 Patienten auf - um genau zu verstehen, welche Kombinationen am gefährlichsten sind. Die Ergebnisse werden 2025 die Leitlinien neu schreiben.

Die Botschaft ist einfach: Palpitationen sind kein „nur mal so“. Sie sind ein Signal. Ein Signal von Ihrem Körper, dass etwas mit Ihren Medikamenten nicht stimmt. Und dieses Signal sollte nie ignoriert werden.

Können rezeptfreie Erkältungsmittel Herzrasen verursachen?

Ja, besonders Medikamente mit Pseudoephedrin oder Phenylephrin. Diese Wirkstoffe wirken als Adrenalin-Analoga und beschleunigen den Herzschlag. Selbst eine Standarddosis von 60 mg Pseudoephedrin kann die Herzfrequenz um 10 bis 20 Schläge pro Minute erhöhen. Bei Menschen mit Herzproblemen, Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion ist das besonders riskant. Es gibt rezeptfreie Alternativen ohne diese Wirkstoffe - fragen Sie Ihren Apotheker.

Ist Herzrasen nach Einnahme von Antibiotika normal?

Nein, es ist nicht „normal“, aber es ist häufig. Azithromycin und Levofloxacin sind bekannte Auslöser. Das Herzrasen tritt oft 24 bis 48 Stunden nach Beginn der Einnahme auf. Es ist kein Zeichen von Infektionsverlauf, sondern eine Nebenwirkung des Medikaments. Wenn Sie zusätzlich Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Ein EKG ist notwendig, um das QT-Intervall zu messen.

Wie lange dauert es, bis die Palpitationen nach Absetzen des Medikaments verschwinden?

Das hängt vom Medikament ab. Bei kurzwirksamen Wirkstoffen wie Salbutamol oder Pseudoephedrin vergehen die Symptome oft innerhalb von 6 bis 24 Stunden. Bei langwirksamen oder speichernden Medikamenten wie Azithromycin oder Amitriptylin kann es bis zu 5 bis 7 Tage dauern, bis der Körper das Medikament vollständig abgebaut hat. Bei manchen Patienten mit bereits bestehender Herzschwäche kann es länger dauern - deshalb ist eine ärztliche Kontrolle wichtig.

Sollte ich ein EKG machen lassen, wenn ich ein neues Medikament beginne?

Ja - besonders wenn Sie älter als 65 sind, eine Herzkrankheit haben, oder das Medikament zu den bekannten QT-verlängernden Wirkstoffen gehört (Antibiotika, Antidepressiva, Schilddrüsenmedikamente, bestimmte Krebsmedikamente). Ein BasiseKG vor Beginn der Therapie ist heute in vielen Kliniken Standard. Es hilft, Veränderungen später besser zu erkennen. Und es kann lebensrettend sein.

Kann ich mein Medikament einfach absetzen, wenn ich Herzrasen habe?

Nur unter ärztlicher Aufsicht. Einige Medikamente, wie Antidepressiva oder Schilddrüsenhormone, dürfen nicht abrupt abgesetzt werden - das kann zu Entzugserscheinungen oder schweren Störungen führen. Wenn Sie Symptome haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Er kann die Dosis reduzieren, ein Alternativmedikament wählen oder zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Selbst absetzen ist gefährlich.

Welche Medikamente sind sicherer, wenn ich Herzprobleme habe?

Bei Infektionen: Amoxicillin statt Azithromycin. Bei Depressionen: Sertralin statt Citalopram. Bei Schilddrüsenersatz: Langsame Dosisanpassung mit TSH-Kontrolle. Bei Asthma: Inhalatoren mit niedriger Dosierung, ggf. mit Beta-Blocker-Kompatibilität. Bei Erkältung: Nasensprays mit Oxymetazolin statt oraler Pseudoephedrin-Tabletten. Es gibt immer eine sicherere Alternative - aber Sie müssen danach fragen.

Geschrieben von:
Sabine Grünwald
Sabine Grünwald

Kommentare (1)

  1. Alexandre Masy
    Alexandre Masy 15 Januar 2026

    Die meisten Patienten verstehen nicht, dass Medikamente keine harmlosen Bonbons sind. Jeder, der ein neues Rezept erhält, sollte automatisch ein EKG bekommen, bevor er es einnimmt. Stattdessen wird alles auf Vertrauen basiert - und das ist ein gefährliches Spiel mit dem Leben.

Schreibe einen Kommentar

Bitte überprüfen Sie Ihre E-Mail
Bitte überprüfen Sie Ihre Nachricht
Danke schön. Ihre Nachricht wurde gesendet.
Fehler, E-Mail nicht gesendet