Was ist, wenn du deine gewohnten Medikamente mit in den Urlaub nimmst - und am Flughafen in Tokio, Dubai oder Mexiko-Stadt plötzlich feststellst, dass sie verboten sind? Kein Witz: Jedes Jahr werden Hunderte Reisende aus den USA und Europa wegen OTC-Medikamenten festgenommen, ihre Medikamente beschlagnahmt oder zu Geldstrafen verurteilt. Und das, obwohl sie in Deutschland oder den USA problemlos in der Apotheke ohne Rezept gekauft werden können.
Du denkst: „Aber es ist doch nur eine Nasenspray, ein Schlafmittel oder ein Antihistaminikum?“ Das ist genau der Fehler, den die meisten machen. In vielen Ländern gelten diese Substanzen als Drogen - nicht als Medizin. Und die Strafen sind nicht nur teuer, sondern können auch Jahre im Gefängnis bedeuten.
Die häufigsten verbotenen Medikamente - und warum sie verboten sind
Pseudoephedrin, der Wirkstoff in Sudafed und vielen Erkältungsmitteln, ist ein klassisches Beispiel. In Deutschland und den USA ein harmloses Nasenmittel. In Japan? Vollständig verboten. In Mexiko? Auch verboten. In Japan kann der Besitz ohne Genehmigung bis zu fünf Jahre Gefängnis bedeuten. Warum? Weil Pseudoephedrin als Ausgangsstoff für die Herstellung von Amphetaminen gilt - und das Land hat eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Drogen.
Diphenhydramin, der Wirkstoff in Benadryl, ist ein weiterer Fall. In den USA hilft es gegen Allergien und Schlafstörungen. In Japan musst du eine schriftliche Erklärung vom Arzt mitführen - und selbst dann nur, wenn du nicht mehr als einen Monatsvorrat hast. In Zambia wurde 2022 über 1.800 Packungen Benadryl von Reisenden beschlagnahmt. Kein Scherz. Die Behörden zählen die Tabletten - und wenn du mehr als 30 hast, wird’s problematisch.
Codein ist ein weiterer großer Fall. In Deutschland und den USA ein gängiger Husten- und Schmerzmittel-Wirkstoff. In den Vereinigten Arabischen Emiraten? Straftat. Einmal mit Codein in der Tasche erwischt? Mindestens ein bis drei Jahre Gefängnis. In Griechenland, Japan, Indonesien und Saudi-Arabien ist es ebenfalls streng kontrolliert. Selbst wenn du eine gültige deutsche Rezeptur hast - das zählt im Ausland nicht.
Und was ist mit Schlafmitteln wie Zolpidem (Ambien)? In Frankreich brauchst du eine Genehmigung vor der Einreise - und 83 Reisende wurden 2022 dort festgehalten, weil sie das Medikament einfach mitgebracht hatten. In Ägypten, Saudi-Arabien und den USA ist es komplett verboten. Kein Ausweg.
ADHS-Medikamente wie Adderall? In 22 Ländern verboten - darunter Japan, Schweden und die Schweiz. Schweden hat 2021 allein 147 Reisende festgehalten, die Adderall in der Tasche hatten. Keine Rezepte, keine Ausnahmen.
Japan: Der härteste Fall - und wie du dich davor schützt
Japan ist der Spitzenreiter, wenn es um strenge Medikamentenkontrollen geht. 26 US-amerikanische OTC-Medikamente sind dort komplett verboten - darunter nicht nur Pseudoephedrin und Diphenhydramin, sondern auch Lidocain-Pflaster über 4% und sogar einige pflanzliche Ergänzungsmittel mit Ephedra.
Die japanische Regierung erwartet von Reisenden, die Medikamente mitführen wollen, die einen „Yunyu Kakunin-sho“ - eine Importgenehmigung - zu beantragen. Das ist kein einfacher Formular. Du musst mindestens vier bis sechs Wochen vor deiner Reise beginnen. Die Genehmigungsquote liegt bei nur 68%. Und selbst dann musst du deine Medikamente in Originalverpackungen mit deutschen Apothekenetiketten mitführen. Dein Name auf dem Etikett muss mit deinem Reisepass übereinstimmen. Sonst: Beschlagnahmung.
Und vergiss nicht: Selbst wenn du eine deutsche Rezeptur hast - Japan akzeptiert sie nicht. 17 Amerikaner wurden im ersten Quartal 2023 festgenommen, obwohl sie gültige Rezepte dabei hatten. In Japan zählt nur die Genehmigung der japanischen Regierung.
Die Vereinigten Arabischen Emirate: Strafen, die dein Leben verändern
In den UAE ist die Regel klar: Keine Ausnahmen. Codein, Xanax, Valium, Zolpidem - alles verboten. Und wenn du es hast? Mindestens zwei Jahre Gefängnis. Keine Verhandlung, keine Nachsicht. Die Behörden führen regelmäßige Kontrollen durch - auch bei Touristen, die nur für ein Wochenende kommen.
Und es gibt noch eine weitere Fallgrube: Mifepriston, der Wirkstoff in Notfall-Verhütungsmitteln. In Deutschland legal. In den UAE? Verboten. 32 Reisende wurden 2022 festgehalten, weil sie dieses Medikament dabei hatten. Kein Witz. Selbst wenn du es für medizinische Notfälle brauchst - du hast keine Chance.
Andere Länder, andere Regeln - und warum du nicht einfach „es ist doch nur OTC“ denken darfst
Thailand, Südkorea und die Türkei erlauben zwar viele Medikamente, verlangen aber Dokumentation. Selbst wenn das Medikament legal ist, brauchst du einen Arztbrief. 1.245 Reisende in Thailand wurden 2022 kontrolliert - und in fast allen Fällen hätte ein einfacher Brief die Situation gerettet.
Und dann gibt es die Länder, die gar keine Regeln veröffentlichen. Indonesien, Indien, Pakistan - 42 Länder haben ihre Medikamentenregeln nicht an die Internationale Betäubungsmittelkontrollbehörde (INCB) gemeldet. Das bedeutet: Du weißt nicht, was verboten ist. Und wenn du erwischt wirst? Keine Warnung, kein Hinweis. Einfach Festnahme.
Ein Reisender aus Deutschland wurde 2022 in Indonesien festgenommen, weil er eine Packung Paracetamol mit Codein dabei hatte. Er dachte, es sei nur ein stärkeres Schmerzmittel. In Indonesien ist das ein Drogenvergehen. Er saß zwei Monate im Gefängnis, bevor er freigelassen wurde.
Wie du dich schützt - die 5 goldenen Regeln
- Prüfe vor der Reise: Gehe auf die Website der Botschaft deines Reiseziels. Suche nach „Medication“ oder „Drugs“. Die US-Botschaft in Tokio hat eine detaillierte Liste. Die deutsche Botschaft in Dubai hat eine Warnung zu Codein.
- Originalverpackung und Etiketten: Nimm die Medikamente nie aus der Originalverpackung. Die Apothekenetiketten müssen deinen Namen, die Dosierung und den Wirkstoff enthalten. Keine Umverpackung in Plastiktüten!
- Arztbrief mit INN: Lass dir von deinem Arzt einen Brief ausstellen - mit dem internationalen Nichtgeschützten Namen (INN), nicht dem Markennamen. „Paracetamol“ statt „Tylenol“. „Diphenhydramin“ statt „Benadryl“. 78% der Missverständnisse entstehen durch Markennamen.
- Maximaler Vorrat: Nimm nur so viel mit, wie du für die Dauer deiner Reise brauchst. Japan erlaubt maximal zwei Monate. Andere Länder erlauben nur 30 Tage. Mehr = Risiko.
- Keine Annahmen: „Es ist doch OTC“ ist die häufigste Falle. 67% aller Fälle passieren, weil Reisende genau das denken. Was in Deutschland erlaubt ist, ist nicht automatisch erlaubt überall.
Was du sonst noch wissen musst
Die Internationale Luftfahrtorganisation IATA hat 2023 eine neue App gestartet: „IATA Travel Pass“. Sie zeigt für 65 Länder, welche Medikamente erlaubt sind - und ob du eine Genehmigung brauchst. In Deutschland ist sie noch wenig bekannt, aber sie wird immer genauer.
Und wenn du in Japan bist: Schreib eine E-Mail an [email protected]. Die japanische Gesundheitsbehörde antwortet innerhalb von 72 Stunden. Frag nach deinem Medikament - mit genauen Wirkstoffen, nicht Markennamen.
Die gute Nachricht: Die meisten Reisenden, die diese Regeln befolgen, haben keine Probleme. Die schlechte Nachricht: Die meisten Reisenden befolgen sie nicht.
Ein letzter Tipp: Deine Reiseversicherung zahlt nicht, wenn du wegen verbotener Medikamente festgenommen wirst. Die meisten Versicherungen schließen solche Fälle explizit aus. Du bist auf dich allein gestellt.
Was du nicht tun solltest
- Nicht einfach Medikamente in der Handtasche verstecken - das macht es nur schlimmer.
- Nicht glauben, dass „ein paar Tabletten“ niemanden interessieren.
- Nicht annehmen, dass ein deutsches Rezept ausreicht.
- Nicht warten, bis du am Flughafen bist, um nachzuschauen.
- Nicht hoffen, dass du „glücklich“ durchkommst.
Reisen ist wunderbar. Aber es ist kein Abenteuer, wenn du im Gefängnis endest, weil du eine Nasenspray mitgenommen hast, die du in der Heimat als harmlos betrachtest.
Ist es erlaubt, Paracetamol mit in den Urlaub zu nehmen?
Ja, Paracetamol ist in fast allen Ländern erlaubt - solange es in der Originalverpackung ist und du nur eine vernünftige Menge für deine Reise mitnimmst. Es ist kein kontrollierter Wirkstoff. Aber selbst bei Paracetamol solltest du darauf achten, dass du keine Kombinationspräparate mit Codein oder anderen verbotenen Substanzen hast. Prüfe immer den Wirkstoff, nicht nur den Markennamen.
Was passiert, wenn ich ein verbotenes Medikament im Gepäck habe und es nicht melde?
Wenn du ein verbotenes Medikament hast und es nicht meldest, wird es bei der Zollkontrolle entdeckt - und du wirst festgenommen. In Ländern wie Japan, den USA oder den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das kein kleiner Verstoß. Du kannst bis zu fünf Jahre im Gefängnis sitzen. Selbst wenn du es nicht wusstest - das ist keine Entschuldigung. Die Gesetze gelten für alle, unabhängig von Kenntnis.
Kann ich Medikamente in einem anderen Land kaufen, wenn ich sie nicht mitnehmen darf?
Manchmal ja, aber nicht immer. In Japan kannst du viele Medikamente nicht ohne Rezept kaufen - selbst wenn sie in Deutschland OTC sind. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der Verkauf von Schlafmitteln oder Schmerzmitteln mit Codein streng kontrolliert und nur in bestimmten Apotheken erlaubt. Und selbst dort brauchst du oft eine lokale Rezeptur. Es ist riskant, dich auf lokale Apotheken zu verlassen. Besser: Du planst vorher und nimmst alles mit, was du brauchst - legal.
Warum gelten deutsche Rezepte im Ausland nicht?
Weil jedes Land sein eigenes Medikamentengesetz hat. In Deutschland ist ein Medikament vielleicht rezeptfrei - in Japan ist es ein Drogenstoff. Dein deutsches Rezept hat keine rechtliche Kraft im Ausland. Es ist wie ein deutscher Führerschein in Japan: Er ist kein Ersatz für einen japanischen Führerschein. Du brauchst die Genehmigung des Landes, in das du reist - nicht die deines Heimatlandes.
Gibt es eine App, die mir hilft, verbotene Medikamente zu finden?
Ja. Die IATA Travel Pass-App (kostenlos verfügbar) listet für 65 Länder auf, welche Medikamente erlaubt sind und ob du eine Genehmigung brauchst. Für Japan gibt es auch die lokale App „MediSafe Japan“, die in den letzten Jahren von über 147.000 Reisenden heruntergeladen wurde. Beide Apps sind aktuell und werden regelmäßig aktualisiert - aber sie ersetzen nicht die direkte Prüfung bei der Botschaft. Nutze sie als erste Orientierung, nicht als letzte Sicherheit.