7 Januar 2026

Wie Sie Kontamination beim Teilen oder Zerkleinern von Tabletten vermeiden

Wie Sie Kontamination beim Teilen oder Zerkleinern von Tabletten vermeiden

Tabletten zu teilen oder zu zerkleinern klingt einfach - aber es ist ein medizinischer Eingriff mit ernsthaften Risiken. Viele Menschen tun es, weil sie die Dosis anpassen müssen, Geld sparen wollen oder Schluckbeschwerden haben. Doch wenn es falsch gemacht wird, kann es zu ungleichmäßigen Dosen, Vergiftungen oder sogar Todesfällen führen. Die Weltgesundheitsorganisation und die US-amerikanische FDA warnen seit Jahren: Tabletten teilen ist kein Haushalts-Trick, sondern eine medizinische Prozedur, die genaue Regeln erfordert.

Welche Tabletten dürfen überhaupt geteilt oder zerkleinert werden?

Nicht jede Tablette ist dafür geeignet. Etwa 97,8 % der langsam freisetzenden, magensaftresistenten oder hochwirksamen Medikamente dürfen niemals geteilt oder zerkleinert werden. Dazu gehören:
  • Tabletten mit der Aufschrift "SR", "ER", "XL", "CR" oder "MR" (slow release)
  • Einzelkapseln oder Filmtabletten mit magensaftresistenter Beschichtung
  • Chemotherapeutika wie Cyclophosphamid oder Capecitabin
  • Blutverdünner wie Warfarin in speziellen Formulierungen
  • Tabletten ohne erkennbare Einschnittlinie (Score)
Die FDA hat 2024 neue Richtlinien veröffentlicht: Hersteller müssen ab Dezember 2026 alle Tabletten mit Einschnittlinie auf Teilbarkeit testen und deutlich kennzeichnen. Bis dahin gilt: Wenn keine Linie da ist - nicht teilen. Wenn die Tablette bröckelt, sich verformt oder nicht gleichmäßig splittet - nicht zerkleinern.

Warum ist Kontamination so gefährlich?

Wenn Sie eine Tablette mit einer Schere teilen oder ein gemeinsames Zerkleinerungsgerät für verschiedene Medikamente benutzen, bleibt Rückstand haften. Das ist kein Problem der Sauberkeit - das ist ein Problem der Toxizität. Ein Beispiel: Ein Zerkleinerer, der zuvor Cyclophosphamid (ein Chemotherapeutikum) benutzt wurde, kann auch nach Reinigung noch 4,7 Nanogramm pro Quadratzentimeter Rückstand enthalten. Das ist genug, um bei einem gesunden Menschen Knochenmarksschäden auszulösen. Oder nehmen Sie Warfarin: Eine winzige Menge davon auf einem splitter, der danach für Amlodipin benutzt wurde, kann bei einem älteren Patienten zu einer lebensbedrohlichen Blutung führen.

Die richtige Ausrüstung - kein Kompromiss

Ein normaler Küchenscher oder ein Messer ist keine Option. Die einzige sichere Methode ist ein spezieller Pillensplitter mit folgenden Eigenschaften:
  • Edelstahlklinge mit einer Toleranz von 0,05 mm für exakte Teilung
  • V-förmiger Halter, der die Tablette stabilisiert
  • Eingebaute Schutzkappe, die die Split-Teile auffängt
  • Einmalige Nutzung pro Patient oder Reinigung nach jedem Einsatz
Für gefährliche Medikamente (z. B. Krebsmedikamente) ist ein geschlossenes Zerkleinerungssystem wie das Silent Knight Modell Pflicht. Es fängt 99,8 % der Partikel ein - im Vergleich zu 72 % bei einfachen Geräten. Solche Geräte kosten zwar 50-100 Euro, aber sie verhindern Krankenhausaufenthalte, die Tausende kosten.

Ein Apotheker übergibt einem Patienten einen professionellen Pillensplitter, begleitet von einem Sicherheitsengel.

Die 5-Schritte-Methode für sicheres Teilen

Wenn Sie eine Tablette teilen dürfen - und Sie die richtige Ausrüstung haben - dann befolgen Sie diesen Ablauf genau:

  1. Hände waschen und sterile Einmalhandschuhe anziehen (keine Küchenhandschuhe).
  2. Gerät reinigen mit 70 % Isopropylalkohol-Tüchern - nicht nur abwischen, sondern abtrocknen.
  3. Tablette prüfen: Ist die Einschnittlinie sichtbar? Ist sie unbeschädigt? Ist die Tablette trocken und nicht brüchig?
  4. Teilen: Legen Sie die Tablette genau in die Mitte des Splitters, drücken Sie fest und gleichmäßig - nicht nach links oder rechts.
  5. Unmittelbar verabreichen: Teilen Sie nicht die gesamte Packung auf einmal. Verwenden Sie die geteilte Tablette sofort - nicht aufbewahren. Licht, Luft und Feuchtigkeit zerstören die Wirkung.
Ein 2021-Studie der Universität Jordan zeigte: Mit einem guten Splitter erreichen Sie 92,4 % Dosisgenauigkeit. Mit einer Schere nur 63,7 %. Das ist ein Unterschied von fast 30 Prozent - und das kann lebenswichtig sein.

Was tun, wenn kein Splitter da ist?

Viele Pflegeheime und Haushalte haben keine professionellen Geräte. Eine Umfrage von 2023 ergab: 63 % der Pflegekräfte benutzen Scheren, weil sie keine anderen haben. Das ist riskant - aber es gibt eine Lösung.

  • Wenden Sie sich an Ihre Apotheke. Viele bieten kostenlose oder günstige Splitter an - besonders für Patienten mit langfristiger Medikation.
  • Frage nach flüssigen Alternativen. Viele Medikamente gibt es auch als Saft oder Tropfen - oft mit genau dosierbaren Messbechern.
  • Wenn das nicht geht: Fragen Sie Ihren Arzt, ob es eine andere Tablette mit passender Dosis gibt. Manchmal ist eine kleinere Tablette (z. B. 5 mg statt 10 mg) verfügbar und kostet nicht mehr.
Niemand sollte mit Scheren oder Messern arbeiten. Es ist nicht nur unsauber - es ist medizinisch fahrlässig.

Reinigung und Lagerung - die unterschätzten Risiken

Ein Splitter, der für mehrere Patienten oder Medikamente benutzt wird, ist ein Infektionsherd. Eine Studie aus einem Seniorenheim in Ohio zeigte: Nur 34,6 % der Mitarbeiter reinigten das Gerät zwischen verschiedenen Medikamenten. 14 Patienten bekamen versehentlich Warfarin-Rückstände - eine gefährliche Überdosierung.

Regel: Ein Splitter = Ein Patient. Wenn das nicht möglich ist (z. B. in privaten Haushalten mit mehreren Personen), dann:

  • Reinigen Sie das Gerät mit Alkohol-Tüchern nach jedem Gebrauch.
  • Wischen Sie die Klinge und den Halter gründlich ab - auch die Unterseite.
  • Verwenden Sie separate Behälter für jedes Medikament.
  • Markieren Sie das Gerät mit einem Kleber, welches Medikament es für bestimmt ist.
Gelagerte Teile? Nie. Die FDA sagt klar: Teilen Sie nicht die ganze Packung auf und lagern die Teile. Die Wirkstoffe oxidieren, verlieren ihre Stabilität und werden unwirksam. Ein geteiltes Amlodipin-Teil kann innerhalb von 24 Stunden bis zu 18 % seiner Wirkkraft verlieren - bei Bluthochdruckpatienten ein ernstes Risiko.

Vergleich: Ein kontaminierter Splitter neben einem sauberen, personalisierten Splitter mit Schutzschild.

Was tun, wenn Sie ein Medikament versehentlich zerkleinert haben?

Falls Sie versehentlich eine nicht teilbare Tablette zerkleinert haben:

  • Stoppen Sie sofort - geben Sie das Pulver nicht ein.
  • Waschen Sie alle Oberflächen mit Alkohol - inklusive Tisch, Löffel, Messer.
  • Waschen Sie Ihre Hände gründlich - besonders unter den Nägeln.
  • Kontaktieren Sie Ihre Apotheke oder Ihren Arzt. Sagen Sie genau, welches Medikament es war.
  • Verwenden Sie nie wieder das gleiche Gerät für andere Medikamente, bis es professionell gereinigt wurde.
Einige Medikamente (wie Chemotherapeutika) können durch Einatmen von Staub gefährlich sein. Wenn Sie Pulver eingeatmet haben, suchen Sie medizinische Hilfe - auch wenn Sie sich gut fühlen.

Warum ist das alles so wichtig?

In den USA verursachen unsachgemäße Tabletten-Teilungen 8,3 % aller Medikationsfehler in Pflegeheimen. In Deutschland sind die Zahlen ähnlich - nur weniger dokumentiert. Ein einziger Fehler kann zu einem Schlaganfall, einer inneren Blutung oder einer Überdosierung führen. Die ISMP (Institute for Safe Medication Practices) berichtet, dass zwischen 2015 und 2017 allein 12 Todesfälle auf falsches Zerkleinern zurückzuführen waren.

Aber es gibt Hoffnung. In einem Seniorenheim in New York führten sie 2024 ein System ein: Jeder Patient bekam einen eigenen, mit Namen beschrifteten Splitter. Innerhalb von sechs Monaten sanken Medikationsfehler um 32,5 %. Die Kosten für neue Geräte wurden durch reduzierte Krankenhausaufenthalte mehr als ausgeglichen.

Was Sie jetzt tun können

1. Prüfen Sie Ihre Medikamente: Schauen Sie auf die Packung. Steht "DO NOT CRUSH" oder "DO NOT SPLIT"? Dann nicht teilen.

2. Reden Sie mit Ihrer Apotheke: Fragen Sie, ob es eine andere Form gibt - Saft, Kapsel, Tablette mit passender Dosis.

3. Beschaffen Sie einen Splitter: Ein gutes Gerät kostet weniger als eine Arzneimittelrechnung pro Monat. Bestellen Sie es online oder fragen Sie in Ihrer Apotheke nach.

4. Reinigen Sie es richtig: Alkohol-Tuch, trocken wischen, nicht abspülen - das macht die Klinge stumpf.

5. Teilen Sie nie vorzeitig: Teilen Sie immer nur die Tablette, die Sie gleich einnehmen.

Medikamente sind keine Lebensmittel. Sie sind präzise Werkzeuge. Und wie bei einem Skalpell: Wenn Sie es falsch benutzen, verletzen Sie - nicht heilen.

Darf ich eine Tablette mit einer Schere teilen?

Nein. Eine Schere verursacht ungleichmäßige Teile, hinterlässt Rückstände und kann Medikamente kontaminieren. Selbst wenn die Tablette aussehen, als würde sie leicht teilen - die Dosis ist ungenau, und Rückstände von vorherigen Medikamenten können gefährlich sein. Nutzen Sie immer einen speziellen Pillensplitter mit Edelstahlklinge.

Kann ich eine Tablette zerkleinern, wenn ich sie nicht schlucken kann?

Nur, wenn es explizit erlaubt ist. Viele Tabletten dürfen nicht zerkleinert werden - besonders langsam freisetzende, magensaftresistente oder gefährliche Medikamente. Fragt Ihre Apotheke nach einer flüssigen Form, einem Saft oder einer Kapsel, die geöffnet werden darf. Viele Medikamente gibt es auch als Zerfallstabletten, die sich im Wasser auflösen.

Wie reinige ich einen Pillensplitter richtig?

Reinigen Sie ihn nach jedem Gebrauch mit einem Tuch, das mit 70 % Isopropylalkohol getränkt ist. Wischen Sie die Klinge, den Halter und die Unterseite gründlich ab. Lassen Sie es trocknen - nicht abspülen. Wasser kann die Metallklinge angreifen und Rost verursachen. Bei mehreren Patienten: Ein Splitter pro Person.

Darf ich mehrere Tabletten auf einmal teilen und aufbewahren?

Nein. Die FDA warnt ausdrücklich davor. Geteilte Tabletten verlieren ihre Stabilität durch Luft, Licht und Feuchtigkeit. Ein geteiltes Amlodipin-Teil kann innerhalb von 24 Stunden bis zu 18 % seiner Wirkung verlieren. Teilen Sie immer nur die Tablette, die Sie unmittelbar einnehmen.

Was mache ich, wenn ich versehentlich ein nicht teilbares Medikament zerkleinert habe?

Geben Sie das Pulver nicht ein. Waschen Sie alle Oberflächen mit Alkohol - inklusive Tisch, Löffel, Hände. Kontaktieren Sie sofort Ihre Apotheke oder Ihren Arzt. Sagen Sie genau, welches Medikament es war. Bei Chemotherapeutika oder anderen gefährlichen Stoffen: Suchen Sie medizinische Hilfe, auch wenn Sie sich gut fühlen - Einatmen kann gefährlich sein.

Geschrieben von:
Sabine Grünwald
Sabine Grünwald

Kommentare (11)

  1. Ivar Leon Menger
    Ivar Leon Menger 7 Januar 2026

    ich hab neulich ne warfarin-tablette mit ner küchenscher geteilt weil ich keinen splitter hatte und jetzt hab ich angst dass ich nen herzinfarkt kriege lol

  2. Daniel Cash Kristiansen
    Daniel Cash Kristiansen 8 Januar 2026

    Das ist ein klassisches Beispiel für medizinische Fahrlässigkeit auf Ebene des Haushalts. Die FDA hat 2024 explizit festgelegt, dass jegliche mechanische Teilung ohne zertifizierten Splitter eine Verletzung der pharmazeutischen Integritätsprotokolle darstellt. Die Rückstandskonzentrationen von Cyclophosphamid in ungeeigneten Geräten liegen im Nanogramm-Bereich – das ist pharmakologisch signifikant und klinisch kritisch. Wer das ignoriert, spielt mit dem Leben.

  3. linn Bjorvatn
    linn Bjorvatn 8 Januar 2026

    Ich hab mir vor drei Monaten einen Pillensplitter bestellt – 67 Euro, aber seitdem hab ich keine Angst mehr, dass meine Oma versehentlich ein halbes Chemotherapeutikum kriegt. Einfach nur: kaufen. Kein Kompromiss.

  4. Filip overas
    Filip overas 9 Januar 2026

    Die Pharma-Lobby will, dass wir alle teure Splitter kaufen – aber wer sagt, dass die nicht auch kontaminiert sind? Wer kontrolliert die Reinigung der Geräte vor dem Verkauf? Wer garantiert, dass die Edelstahlklingen nicht mit anderen Medikamenten in Kontakt kamen, bevor sie in den Versand gingen? Das ist ein System, das uns krank macht – und dann verkauft uns die Lösung.

  5. Tora Jane
    Tora Jane 10 Januar 2026

    Ich hab das mit meinem Opa gemacht – er konnte keine Tabletten schlucken, und wir hatten keinen Splitter. Wir haben ihn zur Apotheke geschickt, und die haben ihm einen Saft verschrieben. Kein Stress, kein Risiko. Einfach nur menschlich.

  6. Jorid Kristensen
    Jorid Kristensen 11 Januar 2026

    Wer mit einer Schere teilt, ist ein Gefahr für sich und alle anderen. Das ist nicht nur dumm – das ist gefährlich. Und wer das macht, sollte nicht mal Medikamente in der Hand halten.

  7. Kari Gross
    Kari Gross 11 Januar 2026

    Die FDA-Richtlinien sind eindeutig. Teilbarkeit ist kein optionaler Bonus. Sie ist eine prüfungsrelevante Eigenschaft. Jede Tablette ohne Score-Line ist als nicht teilbar einzustufen. Dies ist keine Empfehlung. Dies ist eine medizinische Tatsache.

  8. Nina Kolbjørnsen
    Nina Kolbjørnsen 12 Januar 2026

    Ich hab meinen Splitter auf den Kühlschrank geklebt – jetzt erinnert mich das jeden Tag: Nicht mit der Schere! Einfach, aber so wichtig. Jeder, der Medikamente nimmt, braucht so ein Ding. Es ist kein Luxus – es ist eine Lebensversicherung.

  9. Thea Nilsson
    Thea Nilsson 12 Januar 2026

    hab grad meinen splitter geputzt mit alkoholtuch… aber ich hab immer noch angst dass ich was übersehen hab… ist das normal?

  10. Lars Ole Allum
    Lars Ole Allum 14 Januar 2026

    man sollte immer einen splitter benutzen aber ich hab mal ne tablett mit nem messer zerkleinert und nix passiert also wahrscheinlich ist das alles übertrieben 😅

  11. Øyvind Skjervold
    Øyvind Skjervold 16 Januar 2026

    Ich verstehe, dass viele Menschen aus Kostengründen oder Unwissenheit Tabletten teilen. Aber das ist kein Problem der Individuen – es ist ein Problem des Systems. Apotheken sollten Splitter kostenlos zur Verfügung stellen. Ärzte sollten bei jeder Rezeptvergabe fragen: „Haben Sie ein Gerät?“ – und dann helfen. Wir müssen nicht nur warnen. Wir müssen handeln.

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